Religion und Feste

Wo ein Mitglied der Familie den Aufstieg in eine bessere soziale Schicht geschafft hat, bemerkt man als erstes Anzeichen von Wohlstand, dass ein neues Haus gebaut wird.


Die Arbeit wird noch fast gänzlich durch einfache menschliche Arbeitskraft geleistet. Das hat immerhin den Vorteil, dass nicht "Maschinen-Besitzer", sondern einzelne Arbeiter und ihre Familien daran verdienen.
Viele Verwandte und Freunde kommen zur Hauseinweihung.
Auch Taufen und Beerdigungen, der erste Geburtstag, das Schreiben des ersten Buchstabens, kirchliche Gedenktage, das große Onamfest im Sommer und vieles andere, was im Leben der Keralesen eine Rolle spielt, wird andächtig und mit bedeutungsvollen Zeremonien gefeiert.

Besonders der Tag der Hochzeit ist ein Tag, auf den lange hingearbeitet wird, ein unvergesslicher Tag, an dem Mann und Frau sich einmal wahrhaft wie König und Königin fühlen dürfen.


Immer noch spielt die Mitgift auch in Kerala eine große Rolle, und viele Familien stürzen sich in Schulden, um ihre Töchter zu verheiraten. Dies ist ein nicht zu unterschätzendes gesellschaftliches Problem.

Aber nur wenige schaffen es, diese immer noch sehr festen Traditionen zu durchbrechen.



Kerala ist das "christlichste" Bundesland Indiens. Immerhin bekennen sich 24% der Bevölkerung zum Christentum, wobei damit viele christliche Glaubensrichtungen gemeint sind. (In Gesamtindien sind es nur 3%.)
Die Fischer von Karumkulam gehören zur römisch katholischen Kirche.


Ihr ganzes Leben, alle Vollzüge des Alltags, die vielen Feste "sind stark vom Glauben geprägt". Da es genügend Priesternachwuchs gibt, werden in den überall verstreuten Kirchen täglich Messen gefeiert. Und immer ist die Kirche brechend voll von Menschen aller Altersstufen.

Vor den Heiligenfiguren, die an manchen Plätzen aus ihren Glasvitrinen lächeln, knien abgehärmte Frauen mit bunten Schleiern auf dem Kopf und beten hingebungsvoll für die verschiedensten Anliegen. Es ist eine Selbstverständlichkeit, seinen Glauben zu praktizieren, sei es privat oder öffentlich.


Hindus und Moslems stören sich nicht daran.
Im Gegenteil: In Kerala geht die religiöse Toleranz so weit, dass man gegenseitig an wichtigen Festen der anderen teilnimmt.
Trotz aller materiellen Armut teilen die Menschen dieser Region jederzeit ein ansteckendes fröhliches Lächeln mit anderen!